
Die Realität der meisten Unternehmen ist unspektakulär. Ja, sie operieren solide, manchmal auch gut, aber selten herausragend. Ihre Strategien – falls sie den Namen überhaupt verdienen – sind vorsichtig, um nur ja nicht zu scheitern. Ihre Innovationskraft ist begrenzt, die Wachstumsambitionen damit bestenfalls gedämpft.
Obwohl viele Unternehmen glauben, sie würden sich kontinuierlich verbessern, zeigen harte Zahlen ein anderes Bild: Der Großteil des Produktivitätswachstums in einer Volkswirtschaft geht auf das Konto einer kleinen Gruppe von Unternehmen.
Eine neue McKinsey-Studie bringt es auf den Punkt:
Gerade einmal 10 Prozent der Firmen sind für 90 Prozent des Produktivitätswachstums verantwortlich.
Das bedeutet im Umkehrschluss: Die überwiegende Mehrheit ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil der Stagnation.
Was also unterscheidet die wenigen erfolgreichen Unternehmen vom breiten Durchschnitt?
Die Antwort ist ebenso simpel wie unbequem: Sie denken anders. Sie handeln anders.

Und sie setzen konsequent auf mutige strategische Entscheidungen, während andere zögern und den Weg der Schein-Sicherheit gehen.
Die große Illusion vom Fortschritt
In vielen Unternehmen herrscht das trügerische Gefühl, man sei auf dem richtigen Weg.
Die Umsätze steigen leicht, neue Tools werden eingeführt, Prozesse verbessert. Interne Präsentationen sprechen von „Transformation“, „Digitalisierung“ und „agilen Arbeitsweisen“ – das übliche Management-Blah eben!
Aber die Wahrheit ist: Unter der Oberfläche bleibt eigentlich alles beim Alten, ja es wird sogar mehr vom Gleichen praktiziert!
Es wird optimiert, nicht neu gedacht. Bestehendes wird verwaltet, nicht infrage gestellt.
Dieses Verhalten ist nachvollziehbar. Durchschnitt ist bequem. Durchschnitt bedeutet, keine großen Risiken eingehen zu müssen.
Doch genau hier liegt das Problem: Wer sich mit Durchschnitt zufrieden gibt, hat keine Antwort auf die strukturellen Herausforderungen der Gegenwart.
In einer Welt, die sich technologisch, ökonomisch und gesellschaftlich rasant verändert, reicht „besser machen“ nicht mehr aus.
Man muss Dinge anders machen.
Wer das nicht erkennt, wird früher oder später von jenen überholt, die den Mut dazu haben.
Die 10 Prozent machen alles anders
Die McKinsey-Studie liefert einen klaren Befund: Die produktivsten Unternehmen agieren nach eigenen Spielregeln.
Sie skalieren nicht einfach bestehende Prozesse, sondern bauen neue, hochproduktive Geschäftsmodelle auf. Sie fokussieren sich kompromisslos auf die Teile ihres Portfolios, die den größten Wertbeitrag liefern. Sie schaffen neue Kundenerlebnisse, die Mehrwert stiften und gleichzeitig die Zahlungsbereitschaft erhöhen. Und sie bauen Netzwerkeffekte auf, die das Wachstum exponentiell machen.
Dabei geht es nicht primär um Effizienzgewinne oder Kostensenkung.
Nur einer von fünf strategischen Hebeln der sogenannten „Standouts“ (also jener Unternehmen, die deutlich produktiver als ihr Branchendurchschnitt wachsen) bezieht sich auf klassische Effizienz.
Die übrigen vier drehen sich um Wachstum, Skalierung und Neupositionierung.
Einige Beispiele aus der Studie:
- Skalierung produktiver Geschäftsmodelle oder Technologien: Statt bestehende Modelle zu verwalten, werden gezielt neue Plattformen und Technologien skaliert, die die Produktivität pro Mitarbeiter deutlich erhöhen.
- Fokus auf profitable Segmente: Regionen, Produkte und Kundensegmente mit höherer Produktivität werden ausgebaut, während weniger rentable Bereiche reduziert oder abgestoßen werden.
- Neuausrichtung des Kundennutzens: Statt klassische Produkte zu verkaufen, werden neue Wertversprechen geschaffen – etwa durch datenbasierte Services oder Plattform-Modelle.
- Aufbau von Skaleneffekten: Erfolgreiche Unternehmen nutzen jede Chance zur Multiplikation: technologisch, logistisch, vertrieblich.

Diese Unternehmen haben verstanden: Wer wachsen will, muss sich strategisch anders aufstellen – nicht inkrementell, sondern radikal.
Mut ist die eigentliche Strategie
Das zentrale Merkmal dieser Top-Performer ist nicht ein bestimmtes Tool, eine Methode oder ein Marktumfeld.
Es ist ein Mindset. Ein strategischer Mut, der nicht in riskanter Waghalsigkeit besteht, sondern in konsequentem Andersdenken.
„Bold Moves“, wie sie McKinsey nennt, zeichnen sich dadurch aus, dass sie klare Entscheidungen erzwingen.
Statt ewig zu analysieren und abzuwägen, werden mutige Schritte unternommen – sei es der Aufbau eines neuen Geschäftsfelds, die komplette Repositionierung des Unternehmens oder eine neue Preispolitik.
Mutige Unternehmen scheuen nicht vor Entscheidungen zurück, die unbequem sind: sich von unrentablen Kunden zu trennen, Traditionsprodukte einzustellen oder neue, riskantere Vertriebskanäle zu testen.
Dabei geht es nicht um blinden Aktionismus, sondern um ein strategisches „Ja“ zu ambitionierten Zielen und ein klares „Nein“ zu Ausreden.
Die mutige Strategie fragt nicht: „Wie können wir unsere Prozesse verbessern?“, sondern: „Welches Problem lösen wir eigentlich – und wie könnten wir es völlig neu denken?“
In der Praxis heißt das oft auch: gegen Konventionen handeln, bestehende Glaubenssätze infrage stellen, die eigene Organisation unter Spannung setzen.
Wer wachsen will, muss anders denken
Die Erfolgreichen eint kein einheitliches Geschäftsmodell, keine gemeinsame Branche oder Technologie.
Aber sie eint ein gemeinsamer Denkstil. Statt die Welt als gegeben zu betrachten, sehen sie sie als veränderbar. Statt auf Effizienz zu setzen, investieren sie in Wirkung. Statt zu
warten, handeln sie.
Dieses „Andersdenken“ betrifft alle Ebenen:
- Führung: Weg von Kontrolle, hin zu Klarheit und Verantwortung.
- Produktentwicklung: Weg von Feature-Listen, hin zu echtem Nutzen.
- Organisation: Weg von Silos, hin zu adaptiven Netzwerken.
- Wachstum: Weg von Zielvorgaben, hin zu ambitionierten Missionen.
Ein Unternehmen, das wachsen will, muss diese Grundannahmen aktiv überprüfen und bewusst verändern.
Wer sich auf „Best Practices“ verlässt, bleibt bestenfalls zweitbester. Wer sich an anderen orientiert, bleibt im Schatten. Nur wer neue Wege geht, schafft neue Märkte.
Das erfordert Mut. Aber genau dieser Mut ist es, der am Ende mit überdurchschnittlicher Produktivität, höherer Wertschöpfung und langfristiger Relevanz belohnt wird.
Strategie – Ein Muss für alle Unternehmensgrößen
Also, zumindest wenn man hervorstechen will!
Zum reinen Überleben, zumindest über eine gewisse Zeit, reicht operative Exzellenz.
Strategie ist kein Luxus für Konzerne mit Dutzenden Abteilungen, Millionenbudgets und Heerscharen von Beratern. Das sage ich immer wieder all meinen Kunden!
Im Gegenteil: Gerade kleine und mittelständische Unternehmen brauchen eine klare, mutige Strategie – eben weil sie keine Ressourcen zu verschwenden haben.
Die übliche Strategiefolklore aus SWOT-Analysen, Five-Forces-Modellen und seitenlangen PowerPoint-Präsentationen ist meines erachtens oft einfach nur überschätzt. Klar, die großen Beraterfirmen machen damit ordentlich Umsatz – und erzeugen eine Schein-Sicherheit für den Vorstand.
Mutige Strategien sind aber per Definition ein Risiko, weil eben eine Wette auf die Zukunft.
Was zählt, ist ein scharfes Verständnis dafür, wo man echten Kundennutzen stiften kann, wie man sich klar differenziert – und den Mut, konsequent danach zu handeln.
Das kann jedes Unternehmen – auch wenn es dafür ein wenig Anleitung braucht!
Jedes Unternehmen, unabhängig von Größe oder Branche, kann und muss eine mutige Strategie entwickeln.
Denn in einem kompetitiven Marktumfeld gilt: Wer nicht weiß, wo er hin will, wird dorthin geführt, wo es andere wollen.
Conclusio: Durchschnitt ist bequem – aber bringt niemanden voran
Die Zukunft gehört nicht den Optimierern, sondern den Umdenkern. Unternehmen, die bereit sind, strategisch mutig zu handeln, schaffen nicht nur Wachstum, sondern prägen ganze Branchen. Sie treiben den Fortschritt nicht nur für sich selbst, sondern für die gesamte Wirtschaft.
Es braucht keine weiteren Strategiepapiere voller Buzzwords. Es braucht Klarheit, Fokus und Mut. Und den Willen, nicht wie die 90 Prozent zu denken, sondern wie die wenigen, die wirklich etwas bewegen.
Denn am Ende gilt: Durchschnitt ist kein Geschäftsmodell. Und wer sich damit zufriedengibt, wird von denen überholt, die es nicht tun.
Wenn Sie das Gefühl haben, nun ihre Strategie nochmal überdenken zu müssen kontaktieren Sie mich!

